NPD-Anfrage zum „Zug der Erinnerung“ bringt nicht nur den Stadtrat zum Schweigen

Artikel vom 28.10.2009
Kategorie: Stadtratssitzung

Pirmasens. NPD-Stadtrat Markus Walter informiert:

Nach einer eher erheiternden Anfrage bei der dritten Sitzung des neuen Pirmasenser Stadtrats durch eine etablierte Partei zum Thema „Wildschweinjagd“, habe ich an den Oberbürgermeister Dr. Matheis folgende Anfrage gestellt und damit anscheinend nicht nur die anwesenden Ratsmitgliedern, sondern auch die Presse zum Schweigen gebracht, die über alle weiteren noch so unwichtigen Anfragen der Etablierten peinlich genau berichtet hat – nur nicht über die Fragen, die sich eigentlich jedem Pirmasenser beim Lesen des Presseberichtes zum „Zug der Erinnerung“ stellen müssten.

Sehr geehrter Oberbürgermeister, sehr geehrte Ratsmitglieder,

ich nehme Bezug auf einen Bericht der Pirmasenser Zeitung, der im Zusammenhang mit dem Halt des sogenannten „Zuges der Erinnerung“ am 8. und 9. Oktober im Hauptbahnhof Pirmasens unter der Überschrift „Ganz schrecklich, was damals geschehen ist“ erschien.

Im besagten Text werden Personen, die etwas über den Verbleib von deportierten Kindern aus ihrer Region wissen, aufgerufen, sich zu melden. Als Kontaktmöglichkeit wird hierzu eine Internetseite mit der Adresse www.zug-der-erinnerunn.eu angegeben.

Aufgrund der Tatsache, daß die Internetadresse falsch angegeben wurde und unter diesem Link aufgrund eines Schreibfehlers lediglich eine Fehlermeldung erscheint, habe ich erhebliche Zweifel daran, daß tatsächliche Meldungen hierzu erwünscht waren.

Hinzu kommt, daß eventuelle Zeugen oder Betroffene aus der Region Pirmasens heute mindestens 70 Jahre und älter sein müssen und wohl in den seltensten Fällen über einen Weltnetzzugang verfügen, um sich über die Seite, wenn sie denn überhaupt gefunden wird, an eine dort versteckt gehaltene e-mail-Adresse zu schreiben. Eine telefonische Kontaktmöglichkeit wird nicht angeboten und nach einer postalischen Kontaktadresse muß ein eventueller Interessent lange suchen. Was allerdings sehr plakativ eingedruckt wurde, ist das Spendenkonto des Vereins, der die mobile Gedächtnisstätte betreibt.

Interessant auf der Internetseite www.zug-der-erinnerung.eu ist auch die Tatsache, daß einerseits darauf hingewiesen wird, daß der Zug, der Deportationszug genannt wird, laut den angezeigten Bahnstrecken auch im Raum Pirmasens Halt gemacht haben soll, andererseits wird unter den angegebenen Städten, aus denen Kinder deportiert worden sein sollen, die Stadt Pirmasens nicht genannt.

Da Sie, Herr Dr. Matheis, laut dem Artikel zu den ersten Besuchern der mobilen Veranstaltung gehörten und Schüler dazu aufriefen, Position zu beziehen und wachsam zu bleiben, möchte ich an Sie folgende Fragen hierzu richten:

1.Wurden auch aus der Region Pirmasens Kinder mit Zügen über Bahnstrecken deportiert?

2.Wer hat die Deportation angewiesen und wer hat sie durchgeführt?

3.Was war der Grund der Deportation und wohin wurden die Kinder zu welchem Zweck deportiert?

4.Was haben die betroffenen Eltern unternommen, um die Deportation ihrer Kinder zurück zu verhindern?

5.Seit wann ist eine Deportation von Kindern aus der Region Pirmasens bekannt und was wurde in den vergangenen 60 Jahren von wem unternommen, um die Deportation von Kindern aus Pirmasens aufzuklären?

6.Haben sich aus der Region Pirmasens überlebende Betroffene oder Zeugen gemeldet?


Für die „Arbeitsgruppe des NPD-Kreisverbandes Westpfalz zur geschichtlichen Aufklärung im Auftrag zur Teilnahme an der politischen Willensbildung des Deutschen Volkes“ sind Antworten auf diese Fragen auch dahingehend interessant, um zu klären, welche Rolle die bis heute in unserer Stadt und Region aufenthältlichen amerikanischen Besatzer bei der Deportation oder der Rückführung von deportierten Kindern oder der Aufklärung von solchen Fällen spielten.

Im Rahmen einer hierzu anberaumten Vortragsreihe bieten wir Zeitzeugen auch die Möglichkeit an, über Ihre Erlebnisse zu berichten. Interessierte Gäste können im Anschluß Fragen an die Referenten stellen.

Markus Walter
Volksvertreter


Bei dem Versuch, eine tatsächliche Antwort zu vermeiden, mußte OB Matheis von Seiten der NPD gleich zweimal darauf hingewiesen werden, daß wir eine offizielle Antwort der Stadt Pirmasens auf die gestellten Fragen erwarten.

Der OB gab an, daß nach seinem Wissen keine Kinder aus der Region Pirmasens deportiert wurden! Die Frage nach der strafrechtlichen Aufklärung wolle er an die Polizei weitergeben, die die Anfrage nach allen möglichen Gesichtspunkten bewerten solle.

Auf die offizielle Stellungnahme sind wir sehr gespannt. Um eine fundierte Antwort geben zu können, hat OB Matheis bis spätestens zur übernächsten Sitzung Zeit, seine Hausaufgaben zu machen.

Um die Schweigespirale der regionalen Presse zu durchbrechen, kann ich allen Pirmasensern nur empfehlen, sich einmal selbst ein Bild bei einer öffentlichen Sitzung zu machen. Die nächste Stadtratssitzung findet am 09.11.2009 im Sitzungssaal der Wasgauhalle statt. Hierzu lade ich Sie recht herzlich ein.

Verfasser:
Markus Walter
Kreisvorsitzender
Volksvertreter im Stadtrat Pirmasens




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